InstantCommons

Am 14. August ist MediaWiki in der Version 1.13.0 (aktuell 1.13.1) als stable release für den Produktiveinsatz auch außerhalb der Wikimedia-Projekte erschienen.

Die RELEASE-NOTE ist umfangreich, die meiner Meinung nach spektakulärste Neuerung jedoch nicht zu finden: Es ist nun möglich, über die API auch fremde Medienarchive zu nutzen.

Was heißt das auf Wikimedia bezogen? Dateien, vor allem natürlich Bilder, können direkt aus Wikimedia Commons in einer MediaWiki-Installation außerhalb des Wikimedia-Universums angezeigt werden, ohne dass man sich die Bilder auf den lokalen Server kopieren muss. Erik Möller, Deputy Director der Wikimedia Foundation, hat in seinem Blog erstmalig beschrieben, wie es funktioniert.

Die Idee wurde bereits Februar 2006 geboren und InstantCommons getauft. Damals gab es gerade mal 450.000 Dateien. Zweieinhalb Jahre später wurde der Traum Wirklichkeit und über 3 Millionen Dateien stehen jedem MediaWiki-Nutzer so bequem wie nur irgend möglich zur Verfügung.

Der große Vorteil ist die automatische Einhaltung der Bildlizenz, denn ein Klick auf das Bild auf der fremden MediaWiki-Seite zeigt sofort die Bildbeschreibungsseite von Wikimedia Commons an. Bildbeschreibung, Urheber/Autor, Lizenz stehen ohne Umwege zur Verfügung.

Jeder, der ein MediaWiki ab Version 1.13.0 betreibt, kann durch den Eintrag der Zeilen

$wgForeignFileRepos[] = array(   'class'            => 'ForeignAPIRepo',   'name'             => 'shared',   'apibase'          => 'http://commons.wikimedia.org/w/api.php',   'fetchDescription' => true, // Optional);

in seine localSettings.php die Möglichkeit zur direkten Einbindung aktivieren. Und sofort von dem großen Wikimedia Commons-Medienarchiv profitieren.

Aktiv wird diese Möglichkeit bereits vom Translatewiki und anderen Wikis genutzt.

Viel Spaß beim Verlinken von Wikimedia Commons-Inhalten :-)

 

Raymond.

Historisches Archiv Köln

Letzten Sonntag (14. September) war der Tag des offenen Denkmals.

Wir haben u.a. eine Führung durch das Historische Archiv der Stadt Köln mitgemacht, in der das Archiv alte Stadtpläne, Zeichnungen usw. der Öffentlichkeit vorstellte.

Da viele der Archivstücke schon lange gemeinfrei sind, fragte ich den stellvertretenden Leiter des Archivs, der durch die Bestände und Räume führte, wie man denn an Scans kommen könne. Ich outete mich als Wikipedianer und es entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch. Er war erfreulicherweise sehr gut informiert über Wikipedia, Wikimedia (ja, er kennt den Unterschied) und auch Wikisource war ihm wohlbekannt.

Leider steht der Rat der Stadt Köln auf dem Standpunkt, dass sie aus den Eigentumsrechten an gemeinfreien Werken auch noch Verwertungsrechte geltend machen können/dürfen.

Dass ich damit nicht einverstanden bin, habe ich deutlich gemacht. Andererseits hat das Archiv auch einen großen Finanzbedarf für Erhaltung und Erschließung der Bestände. Wir haben vielen Argumente ausgetauscht, eine Lösung ließ sich an dem Tag natürlich nicht finden und wir sind überein gekommen, in Kontakt zu bleiben.

(Raymond)

Wo nehmen die Leute bloß die Zeit für Wikipedia her?

Via Jeans Blog bin ich heute auf den wirklich lesenswerten Vortrag von Clay Shirky gestoßen, den er schon im April gehalten hat. Er stellt die These auf, daß die viele Freizeit, die für Projekte wie Wikipedia draufgeht, in den letzten Jahrzehnten auch schon da war, aber schlicht durchs Fernsehen besetzt war. Er spricht von einem „kognitiven Mehrwert“ (cognitive surplus).

Sein Rechenbeispiel:

Nun, wie groß ist dieser Mehrwert? Nehmen wir mal Wikipedia als eine Art Maßeinheit: die ganze Wikipedia, jede Seite, jeder Edit, jede Diskussionsseite, jede Zeile Code, in jeder Sprachversion – das entspricht in der Summe etwa 100 Millionen Stunden menschlicher Gedanken.

Shirky stellt diese Zahl der Gesamtstundenzahl des TV-Konsums der modernen Welt gegenüber, nämlich einer Billion Stunden im Jahr. Wenn sich also nur ein einziges Prozent unseres Medienkonsumverhaltens in Richtung Teilhabe entwickeln würde, ergäbe das pro Jahr eine Kapazität  von 100 Projekten wie Wikipedia…

Shirky bestreitet, daß dieser Paradigmenwechsel der Teilhabe am Medium eine vorübergehende Erscheinung ist – und er präsentiert ein wundervolles Beispiel: eine Vierjährige beim Anschauen einer DVD. 

Mittendrin springt sie auf, rennt um den Fernseher herum und sucht etwas. Süß, sucht sie eine der Figuren hinter dem Bildschirm? Nein. Sie suchte bei den Kabeln rum. – „Was machst du da?“ – „Ich suche nach der Maus“. Hier haben wir das Wissen einer Vierjährigen: Ein Bildschirm ohne Maus ist ein kaputter Bildschirm. Für ein Medium, das für Dich gedacht ist, Dich aber nicht einschließt, lohnt es sich nicht stillzusitzen.

Weiterlesen im Original? Hier lang.

(elya)

Besser schreiben lernen

In Sachen „Gutes Schreiben“ sind die meisten von uns Autodidakten. Auf meinem Klo liegt zwar gelegentlich die Lektüre „Guter Stil“ oder „Professionell Schreiben“, aber letztlich geht’s wie so oft: learning by doing. Nun sind wir zwar alle Wikipedia-Profis, und viele Texte sind kleine oder größere Perlen. Dennoch: wie machen das eigentlich die Schreib-Profis, und welche Schreibtechniken kann man effektiv lernen, um seinen Stil zu verbessern, verständlicher, klarer und damit leserfreundlicher zu schreiben? Ohne dabei die Exaktheit aus dem Auge zu verlieren? 

Als Ziko auf dem letzten Community-Tag im Frühjahr das Thema ansprach, als wir im Workshop „Was kann der Verein tun, um die Qualität in Wikimedia-Projekten zu fördern“ zusammensaßen, nickte elya wieder mal ganz heftig mit dem Kopf. Ein Skiverein macht Skikurse. Ein Fußballverein trainiert. Ein Enzyklopädieverein? Richtig, könnte mal Schreibkurse organisieren. 

Um das beliebte „Man könnte doch mal“ hat sich Lyzzy (Danke!) gekümmert: am 10. Oktober gibt’s in Frankfurt die erste Wikipedia:Schreibschulung.

Bin gespannt! 

 

P.S.: Daß sich inzwischen schon ein ganz spezieller „Wikipedia-Stil“ entwickelt hat, wäre sicher auch mal ein Thema für eine wissenschaftliche Analyse. 

(elya)