Gebärdenschrift in Mediawiki

Gerard Meijssen berichtet in seinem Blog von der Einbindung von [[Gebärdenschrift]] (ausführlicher unter [[en:SignWriting]]) in MediaWiki. Stephen E. Slevinski hat in seinem SignPuddle-Wiki einen öffentlich zugänglichen Prototypen mit einem kleinen Satz Zeichen livegestellt. Ich kannte bisher diese Schrift nicht, mit er man wohl Gebärdensprache verschriftlichen kann, aber wenn ich an die Diskussionen über Verständlichkeit von Schriftsprache für Gehörlose denke, ist das sicher interessant. Allerdings weiß ich nicht, welche Relevanz diese Schrift in der hiesigen Gehörlosenwelt hat. 

Apropos der Einwand, den ich grade höre:Gehörlose können doch lesen?

(elya)

SW-Finale in Wien

Wien, Nähe Südbahnhof. Es ist Sonntag, 7:41 mitteleuropäische Winterzeit, und um mich herum in der Wohnung verteilt schläft sich ein Teil der diesjährigen Schreibwettbewerbs-Jury noch aus. Die herumliegenden Schmetterlings- und Käferbücher bieten mir keine sooo spannende Lektüre, also schnappe ich mir das Netzkabel und werde dem Motto dieses Blogs untreu (ich kann jetzt unmöglich die Espressomaschine anschmeißen, die mich gestern über den Tag gerettet hat).

Es war ein langer, anstrengender, aber sehr konstruktiver Tag. Freitagabend waren wir drei Kölner spätabends eingetrudelt und trafen schon bei Bradypus fast alle auf ein Bier und seltsam bis lecker aussehende „Käsekrainer“ zusammen. Am nächsten Morgen gings gleich nach neun und ein paar Tassen Kaffee (Betonung in Wien unbedingt auf der zweiten Silbe!) weiter.

Wie läuft eigentlich so eine Jurysitzung ab?

Acht Personen aus vier Themenbereichen hatten sich mehrere Wochen mit insgesamt 94 Artikeln befaßt. Dabei lasen die Sektionsjuroren jeweils alles aus ihrer Sektion und stellten ihre Spitzengruppe (4-5 Artikel) vor gut einer Woche den anderen Sektionen vor, zunächst ohne Rangfolge und Kommentar. Samstag morgen sollte also jeder die 19 Spitzenartikel gelesen haben (Hausrotschwanz: Flughafen Düsseldorf, den Rest vom Klee im Flugzeug…)

Nun galt es, aus den 19 die Gesamtsieger, maximal 10 Artikel herauszufiltern. Dazu haben wir uns den ganzen Vormittag Zeit genommen und jeden einzelnen Artikel 10-15 Minuten einzeln besprochen, wobei jeder seine Notizen und Anmerkungen einbrachte. Einige kamen mit ordentlichst abgehefteten Ausdrucken im dicken Leitzordner an, andere hatten unglaublich viele Einzelheiten aus den Artikeln noch im Kopf. Ich fand es sehr schön, daß trotz deutlich unterschiedlicher Temperamente am Tisch alle zu Wort kamen und keine Sektion die andere dominierte. Schän immer der recht stille Voyager, der sich zu Wort meldete, wenn alle anderen durch waren: „ich hätte da noch zwei Anmerkungen … und es gab und gibt immer noch etwas zu sagen!

Gegen 13:30 waren wir soweit durch, daß wir eine klare Spitzengruppe hatten, ein kräftiges Mittelfeld von potentiellen Nachrückern und einige wenige, die deutlich aus der Spitzengruppe herausfielen, und nach dem Mittagessen (Maroni-Palatschinken) ging es an die Laudationes, die Rangfolge und recht zügig die Spitzengruppen der einzelnen Sektionen, zu denen sich die Jurorenpaare noch einmal einzeln zurückzogen. Das Ergebnis ist natürlich schon längst auf [[WP:SW]] zu finden.

Es gab schließlich nur eine wirklich langwierige Diskussion zu einer schwierigen Frage: Mit welchem kreativen Zusammenfassungskommentar können wir den vom letzten Mal („weißer Rauch“) toppen?

Der Kubb Kreativ wurden wir erst wieder mit der Gestaltung des Kubbkönigs, bei dem uns die vier Siegerartikel mit Bildmotiven zur Seite standen. Fotos folgen demnächst auf Benutzer:Achim Raschka/SW-Kubb.

Wir hinterließen ein Schlachtfeld von ausrangierten Artikelausdrucken als Unterlagen für Kubb-Farbschmierereien, leeren Saftpackungen und Kaffeetassen und schlugen uns Richtung Westbahnhof zum Stammtisch durch, wo der Abend in überraschend großer Runde sehr angenehm ausklang. Für mich Namen- und Gesichter-Chaot mal repetieren, mit wem ich mehr als einen Handschlag ausgetauscht habe… Otto Normalverbraucher saß zwei weiter rechts neben mir. Hubertl, geht Montag mit mir in die Nationalbibliothek. Bernhard Wallisch, Ägyptologie als Thema, gegenüber saß Robert Sch… und direkt rechts von mir El bes von der bairischen WP. Griensteindl Hela noch, die einzige Frau in der Runde. Viele andere noch dabei, angenehme und lustige Gesellschaft und ein langer Abend…

Sonntag, 8:23. So langsam krieg ich BrötchenSemmelhunger.

Foundation startet großangelegte Wikipedia-Umfrage

Erik Möller lädt heute alle Wikipedia-Leser und -Aktive zur Teilnahme an einer international und multilingual ausgelegten Umfrage der Wikimedia Foundation ein, die in den nächsten Tagen auch in der deutschsprachigen Wikipedia (via Sitenotice) verfügbar sein soll. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit einem bei der Universität der UNO angesiedelten Forschungszentrum entwickelt und läuft schon in Tamil, Holländisch und Vietnamesisch mit einer ordentlichen Rücklaufquote.

Wenn ich mich recht entsinne, war die letzte „offizielle“ Umfrage etwa anno 2005 – seither hat sich mit Sicherheit sehr viel verändert, wir wüßten nur gerne – was genau? In Gesprächen sagt es sich so leicht „wenig Frauen“ – „viele junge Männer“ – „merkt man an den unterbesetzten Themen“ – aber ist das wirklich so?

Ich würde mich freuen, wenn wir anhand von frischen, auf einer breiten Stichprobe beruhenden Zahlen mal endlich Fragen beantworten könnten wie Frauenanteil, Altersstruktur, Motivation und Menge der Mitarbeit… Danach kann sowohl Community als auch Foundation oder die nationalen Chapter ihre Aktivitäten viel gezielter nach einem konkreten Bedarf planen. 

Bin mal gespannt!

(elya)

P.S.: Die Forschungsergebnisse werden unter Creative Commons Attribution/Share-Alike stehen und sogar die (anonymisierten) Daten sollen unter CC-BY veröffentlicht werden.

Offline-Wochenende in Berlin

Wir haben es überlebt: Drei Tage Berlin, die das Potential zu „Non-Stop-Wikipedia“ hatten. Auf der Hinfahrt Donnerstag Nachmittag konnte ich mir im Zug einen ersten Überblick über meine Schreibwettbewerbs-Sektion verschaffen. Sind das wirklich fünf Albenartikel aus dem Bereich Rap und Metal? Dazu Helmut Lotti, Little Richard, Bonanza Banzai und [[Musik]]? Nach dem ersten Fluchtreflex war doch einiges durchaus amüsant zu lesen.

Direkt vom Bahnhof ging’s mit der grandiosen Party in der C-Base weiter. Wie sagte doch jemand? Sobald eine kritische Masse von 8-10 Wikipedianern zusammenkommen, sind sie so glücklich miteinander beschäftigt, daß gar nichts mehr schief gehen kann. Trotzdem ist das köstliche, phantasievolle und für Vegetarier optimal beschriftete Büffet zu erwähnen, die (für mich) überraschend rauchfreie Lokalität und die insgesamt großartige (sebmol: sic!) Organisation durch Henriette und ihr Team.

Irgendwann schaffe ich es auch nochmal, den Leuten nicht auch bei der dritten Begegnung noch auf das Namensschild zu starren. Verbesserungsvorschlag: Namensschild ans Kragenrevers, dann fällt der Blick nicht so auf. Nette Gespräche mit Catrin, unserer neuen Wikimedia-Pressefrau, Maha, Düsentrieb und einigen anderen. Meine Lieblingssorte Bionade Ingwer-Orange bis zum Abwinken – angeblich schon nicht mehr cool, wie JC mir verriet. Aber lecker. 

Freitag nach dem Frühstück, bei dem man das Verhalten verschlafener Wikipedianer vor dem ersten Kaffee/Tee beobachten konnte, kaum von den guten Gesprächen in der Lobby trennen können, um noch ein wenig Feiertagsluft unter den Linden zu schnuppern, bevor es am frühen Abend an das „Aufbrezeln“ für die Quadriga-Festivitäten ging.  Abendgarderobe war angesagt: Elya mit Make-Up und hohen Absätzen, kann sich das jemand vorstellen? 

Was bleibt im Kopf von der Gala-Veranstaltung: Viel Prominenz, drei Stunden lange Laudationes (was man als Juror so alles lernt: z. B. den Plural von Laudatio) und irgendwie unpassende Musik. Ein undeutlich sprechender Peter Gabriel. Ein leuchtend oranges Wikimedia-Hemd irgendwo in der dunklen Journalistenloge (SCNR). Neun von uns landeten anschließend noch im nahegelegenen Vapiano, wo der Abend harmonisch ausklang (wie gesagt, 8-10 Wikipedianer…)

Samstag fühlte sich gut an: wow, erst Samstag! Shoppen, Spazierengehen, Kaffeetrinken, Flohmarktgestöber, ganz wikipediafrei, wenn auch etwas kalt. Erst abends wieder in kleiner, wunderbarer Runde bei einem schnuckligen Italiener gelandet und Pitis Schreibwettbewerbs-Kubb entgegengenommen. In „unserem“ Zimmer bei JC eine kurze, aber erholsame Nacht verbracht, bis es Sonntag schon wieder zum Arbeitsfrühstück in Schöneberg ging: Während die anderen den nächsten OTRS(ups)-Workshop besprachen, vergnügte ich mich mit Reign in Blood, den Pommerschen Fischerteppichen und literweise Kaffee.

Ein rappelvoller ICE brachte uns und Lyzzy zurück ins Rheinland, zum Glück mit Sitzplätzen und somit der Gelegenheit zu ausführlichen Besprechungen (wir sehen uns ja auch sonst nie) sowie der Lektüre der Black Maria und der Glasglocke

Sonntagabend, Punkt acht Uhr in Köln: Das erste Mal online seit 3 Tagen und 3 Nächten, muß ja auch, Jurysitzung im IRC wartet. 

(elya.)