MediaWiki Architecture Summit

Auf Einladung der Wikimedia Foundation habe ich am 23./24. Januar 2014 an dem MediaWiki Architecture Summit in San Francisco teilgenommen. Ca. 60 MediaWiki-Entwickler (die Mehrzahl als Angestellte der WMF, sowie 6 von Wikia, 2 von Wikimedia Deutschland und 6 ehrenamtliche Entwickler; Teilnehmerliste) haben an den zwei Tagen intensiv über die grundlegende Weiterentwicklung von MediaWiki diskutiert. Es ging nicht um irgendwelche neuen Features, sondern um die Softwarebasis, die grundlegende Architektur.

Dazu muss man wissen, dass MediaWiki in den letzten 10 Jahren sehr … sagen wir … organisch gewachsen ist. Daraus resultieren heute diverse Schwierigkeiten.

Vielleicht bestes Beispiel ist der VisualEditor, der mit der nicht immer logischen Wikisyntax klarkommen muss. Jeder Bearbeitung muss, vor- wie rückwärts, dasselbe Ergebnis liefern. Ansonsten gibt es im harmlosesten Fall „schmutzige Diffs“ oder im schlimmsten Fall geschredderte Wikipedia-Artikel.
Durchaus selbstkritisch wurde auf dem Summit auch die frühe Freigabe des VisualEditors als Standardeditor gesehen.

Eine sehr spannende Session war für mich die Frage nach der Frontend-Performance. Also das Verhalten der Benutzeroberfläche. Wie verhindert man als Entwickler, dass es auf dem Bildschirm wild hüpft, weil Elemente irgendwo eingeblendet werden. Wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich die Lektüre der Mitschrift (Etherpad).

Ein anderes Beispiel ist die Schwierigkeit, Wikidata-Änderungen in die erweiterte Beobachtungsliste nahtlos einzubauen. Der entsprechende Programmcode des MediaWiki-Kerns ist dermaßen … nun, der Leser mag sich seinen Teil denken.

Nicht falsch verstehen: MediaWiki funktioniert. Mit MediaWiki wird die 5./6.-größte Webseite der Welt betrieben (auf Abrufzahlen bezogen) und viele (zehn)tausend Firmen, Institutionen und Privatpersonen nutzen MediaWiki erfolgreich für ihre eigene Wissensdatenbank.

Aber um MediaWiki fit für die Zukunft zu machen, müssen und werden Teile des Softwarekerns erneuert werden.

Mein Fazit: Der Architecture Summit war dringend nötig und kommt mindestens zwei Jahre zu spät. Wichtig war außerdem das persönliche Kennenlernen/Treffen zwischen den festangestellten Entwicklern und den freiwilligen Entwicklern.

Ich persönlich kümmere mich seit Jahren ehrenamtlich unter anderem um Fehlerkorrekturen (Bugfixes), den Bereich der Lokalisierung/Internationalisierung (l10n/i18n) in MediaWiki, kümmere mich um den (fast täglichen) Export neuer Übersetzungen für alle Sprachen aus dem translatewiki.net in das MediaWiki-Softwarerepositorium und gehe den Entwicklerkollegen auf die Nerven, wenn sie Softwareanweisungen für eine korrekte Pluralbildung und geschlechtersensible Grammatik vergessen haben.

Disclaimer: Zudem lebe ich als freiberuflicher MediaWiki-Berater von der Dienstleistung, für Kunden MediaWiki zu installieren, individuelle Erweiterungen zu programmieren und den Einsatz von MediaWiki vorzubereiten und zu schulen.

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