Sexy GLAM in Köln

„Als wir von Backstage Richtung Bühne gingen, meinte Balou, ob wir wüßten, auf was für heiligem Boden wir hier eigentlich stünden: Rolling Stones, Jimi Hendrix und andere Berühmtheiten waren hier vor uns aufgetreten. Da hat unser Sänger vor lauter Aufregung in die Ecke gekotzt. Verzeihung, sich übergeben …“

„Dieses Motiv ist ja beinahe schon etwas lasziv.“

O-Töne einer Pressekonferenz des Historischen Archivs der Stadt Köln und seines Fördervereins, der „Freunde“. Was war denn da los?

Das im achten Jahr in Folge erscheinende „Kölner Kalendarium“, mit dem man sich für kleines Geld ein ganzes Jahr Motive aus oder rund um das Stadtarchiv ins Haus hängen kann, zeigt in der 2014er Edition Veranstaltungsplakate der Kölner Sporthalle, die 1998 abgerissen wurde, um den wachsenden Platzbedürfnissen des Messegeländes Rechnung zu tragen. Die Dokumente und Plakate der Kölner Sportstätten GmbH gingen ans Historische Archiv; sie haben den Einsturz von 2009 so einigermaßen gut überstanden.

Lieblingsmotive?

Und an der alten Sporthalle hängen offenbar so viele nostalgische Erinnerungen, daß man das Wort „Storytelling“ gar nicht in den Mund nehmen mußte, sondern sich einfach den ehemaligen Chef, Franz Wendland, sowie zwei der auf den Plakatmotiven vertretenen Künstler – Wolfgang Niedecken für BAP und Stephan Brings für die Brings – zur Präsentation des Kalenders eingeladen hatte. Die hatten sich vor einem der Motive schon in eine Diskussion über alte Sachs-Schaltungen (und die legendären Sechstagerennen in der Sporthalle …) vertieft, bevor die Veranstaltung überhaupt losging.

Franz Wendland kramte in seinen Zetteln und wies Wolfgang Niedecken minutiös nach, daß BAP 26 Konzerte mit insgesamt fast 175.000 Zuschauern in der Halle absolvierte. Und daß er selbst einmal zusammen mit Marie-Luise Nikuta auf je einem verarmten Zirkuselefanten in die Halle geritten war, und die Nikuta ständig an ihrem viel zu kurzen Röckchen zubbelte („es war bitterkalt“). Wolfgang Niedecken philosophierte über die perfekte Hallengröße (8000 Zuschauer), die bis heute in Köln fehlt, und daß er die ganzen „großen“ Konzerte seiner Idole – von den Stones bis Uriah Heep, und sogar „Holiday on Ice“ (auf besonderen Wunsch seines Vaters) miterlebt hat:

„Er woor als Kind och schon ens drinn,
met singe Eldre hatte domohls Holiday on Ice jesinn.“

(voller Songtext inkl. Übersetzung bei BAP)

Und weil wir im Archiv sind, klappt’s natürlich auch mit den Bildnachweisen …

Es hätte noch stundenlang weitergehen können, und man versprach, noch einen „Dönekens-Abend“ mit mehr Zeit für die Verzällcher nachzulegen, und eine Ausstellung mit viel mehr von den Plakaten, als auf einen Kalender passen. Mir schien es jedenfalls, daß nicht nur Niedecken, Brings und Wendland sowie  das Redaktionsteam um Gisela Fleckenstein, Frank Neweling und Tobias Kolf mit leuchtenden Augen auf das Projekt schauten. Wann hat man schon Udo Lindenberg, Freddy Quinn, Udo Jürgens, die Rolling Stones, Queen, Sir Elton John und Tina Turner in einer Pressemitteilung, wenn es um die Bestände dieser Institution geht?  Nix mit „angestaubt“ … hier fielen überdurchschnittlich oft die Worte „sensationell“ und „sexy“. Gute Aktion, Lieblingsarchiv!

Was das alles mit dem allgemeinen Thema dieses Blogs zu tun hat? Zunächst mal sind wir natürlich als GLAM-interessierte Wikipedianer von Haus aus schon der „Fanclub“ unseres gebeutelten Archivs. Dann nimmt man doch gerne an einem offiziellen Pressetermin teil, wenn die Zeit es erlaubt. Und meine Fotos der Veranstaltung gibt’s natürlich unter CC-BY-SA, und sie können so auch frei für die Berichterstattung des Archivs verwendet werden (was auch genutzt wird). Eine Möglichkeit mehr, für freie Lizenzen zu werben.

P.S: den Kalender gibt’s für 15 Euro in vielen Kölner Buchhandlungen, bei KölnTourismus und im Lesesaal am Heumarkt, und wer für schlappe 35 Euro pro Jahr Mitglied des Fördervereins wird, kriegt neben dem guten Karma noch den Kalender obendrauf.

2 Kommentare

  1. yup, schau doch mal, was Franz Wendland auf dem Foto in der Hand hält ;-) – bei der Ausstellung (ab 12. Dezember, wenn ich mich recht erinnere), soll es noch mehr Plakate geben.

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