Wo nehmen die Leute bloß die Zeit für Wikipedia her?

Via Jeans Blog bin ich heute auf den wirklich lesenswerten Vortrag von Clay Shirky gestoßen, den er schon im April gehalten hat. Er stellt die These auf, daß die viele Freizeit, die für Projekte wie Wikipedia draufgeht, in den letzten Jahrzehnten auch schon da war, aber schlicht durchs Fernsehen besetzt war. Er spricht von einem „kognitiven Mehrwert“ (cognitive surplus).

Sein Rechenbeispiel:

Nun, wie groß ist dieser Mehrwert? Nehmen wir mal Wikipedia als eine Art Maßeinheit: die ganze Wikipedia, jede Seite, jeder Edit, jede Diskussionsseite, jede Zeile Code, in jeder Sprachversion – das entspricht in der Summe etwa 100 Millionen Stunden menschlicher Gedanken.

Shirky stellt diese Zahl der Gesamtstundenzahl des TV-Konsums der modernen Welt gegenüber, nämlich einer Billion Stunden im Jahr. Wenn sich also nur ein einziges Prozent unseres Medienkonsumverhaltens in Richtung Teilhabe entwickeln würde, ergäbe das pro Jahr eine Kapazität  von 100 Projekten wie Wikipedia…

Shirky bestreitet, daß dieser Paradigmenwechsel der Teilhabe am Medium eine vorübergehende Erscheinung ist – und er präsentiert ein wundervolles Beispiel: eine Vierjährige beim Anschauen einer DVD. 

Mittendrin springt sie auf, rennt um den Fernseher herum und sucht etwas. Süß, sucht sie eine der Figuren hinter dem Bildschirm? Nein. Sie suchte bei den Kabeln rum. – „Was machst du da?“ – „Ich suche nach der Maus“. Hier haben wir das Wissen einer Vierjährigen: Ein Bildschirm ohne Maus ist ein kaputter Bildschirm. Für ein Medium, das für Dich gedacht ist, Dich aber nicht einschließt, lohnt es sich nicht stillzusitzen.

Weiterlesen im Original? Hier lang.

(elya)

7 Kommentare

  1. Dem muss ich auf jeden Fall zustimmen. Verglichen mit meiner Vor-Wikipedia-Zeit hat sich mein Fernsehkonsum erheblich eingeschr??nkt. Wenn überhaupt, schaue ich Tagesschau (wenn nicht auf’m PC per Livestream) und sonst vllt. eine ausgeliehene DVD – aber was anderes? Nein, ich finde, abgesehen vielleicht von hochkulturell-intellektuellen Programmen wie Arte lohnt sich Fernsehen auch nicht wirklich (mehr).

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  2. @Martin: netter Ansatz, darf ich fragen, warum Ihr twiki als technische Plattform gewählt habt? Wie wird der Anteil eines Autors am Artikel berechnet, hat twiki dazu einen Algorithmus? Geht die Beteiligung nach Klickzahlen auf die Ads auf der Seite, die ein Autor geschrieben hat, oder wird der Umsatz nach Gesamtanteil des Autors gleichm????ig verteilt? Warum kann ich bei Klick auf "Autoren" nicht die Autoren sehen? (Wer steckt eigentlich hinter dem Verein?) Fragen über Fragen ,-) Grüße, elya

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  3. @elaya die Erkl??rungen zu http://www.mundipedia.com:Twiki weil Perl und Perl ist schnell und Markus liebt Perl.Twiki hat keinen Autorenberechnungs Algorithmus. Die Aufteilung erfolgt nach Umfang der Artbeit eines Autors an einem Artikel damit erh??lt er einen Status. Dann wird jeder View auf einen Artikel als Punkt gezählt 1 x Tag werden die Punkte je nach Status der Autoren auf sie verteilt. 1 x Monat werden die Punkte in Euros umgerechnet. Steht aber alles genau in den AGBs. Eigentlich kannst du die Autoren sehen wenn du auf Autoren klickst und es Autoren gibt. Hinter dem Verein stehen drei Menschen 2 Informatiker (Markus & Edith) und 1 Wirtschaftler & Germanist (Martin) (seltsame Minschung aber dafür passts). Wenn du noch mehr wissen willst schreib mir doch unter m.wall(at)mundipedia.com

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  4. Yepp – same as Cornelius; durch WP hat sich mein Fernsehkonsum auf nahe Null reduziert. In Berlin kam hinzu, dass Computer und Fernseher r??umlich getrennt waren – wie das in Zukunft aussehen wird, wee?? ick nicht. Gru?? — Achim

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  5. Ach, in dem Titel dieses Blogs steckt so viel Wahrheit! Aber dennoch: "don???t edit before breakfast." – wie denn, wenn man mit dem Wikipediavirus infiziert ist…? Ich glaube ich muss später, beim Frühstück noch einmal darüber nachdenken.

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  6. Nat??rlich hat sich auch mein Fernsehkonsum durch Wikipediaarbeit reduziert. Aber die wichtige Frage ist ja: Woher kam die Zeit fürs Fernsehen her? Sie kam von Vereinsarbeit, Parteiarbeit, Nachbarschaftsggesprächen. Das war wichtige kommunikativ und ergebnisorientiert genutzte Zeit. Die gesellschaftliche Zeit, die gegenwärtig in dieWikipedia geht, ist vermutlich nicht einmal ein Zehntel der Zeit, die durch Fernsehen für den sozialen Zusammenhang verloren worden ist.

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