Die letzten Rätsel des KAP@Wikidata

Nach langer Zeit mal wieder ein Text von mir … anlässlich unseres kleinen Projekts zum Kölner Architekturpreis, das für Raymond und mich mehr Interessen in Deckung gebracht hat, als in ein Überraschungsei passen:

  1. Kölner Architektur
  2. Fotografie
  3. Wikidata und Wikimedia Commons
  4. und nicht zuletzt: Interessante Recherchen, die für uns neues Wissen zutage förderten und uns quer durch Köln in die spannendsten Gegenden brachten (und zu Kontakt zu vielen freundlichen Menschen)
  5. zusammen in eine schöne Datenvisualisierung gebracht: erinnerungshort.de/kap/

Die kleine Visualisierung hat ja schon ein wenig in Köln und den diversen Communities die Runde gemacht (danke für das viele positive Feedback!), heute möchte ich euch die sechs letzten Rätsel und Unklarheiten aus diesem Projekt vorstellen, in der Hoffnung, dass jemand von euch noch etwas dazu weiß:*

Adenauers Schwiegersohn: KAP 1967

„Bürohaus Barbarossaplatz Ostseite (Berliner Verein)“
Architekt: Dipl.‐Ing. Heribert Multhaupt BDA, Rodenkirchen
Bauherr: Berliner Verein, Krankenvers. A.G., Lebensvers. A.G., Köln Pantaleonswall 65‐75

Heribert Multhaupt war der Schwiegersohn Konrad Adenauers und ist auch für die inzwischen abgerissene Überbauung am Hahnentor verantwortlich. Nimmt man die Adresse des Bauherrn „Pantaleonswall 65–75“, so kommt man zu diesem Gebäude, das man mit etwas Fantasie noch als „Barbarossaplatz Ostseite“ einordnen kann:

Bürogebäude Pantaleonswall + Weyertraße
Bürogebäude Pantaleonswall 65-75 und Weyerstraße 79-83, Köln (Foto: Raymond, CC-BY-SA 4.0)

Gemeint ist hier der linke Gebäudeteil (TEDI), der interessante rechte mit den orangen Fenstern ist laut Aussage des Eigentümers aus Mitte der 1980er. Hier steht noch ein Blick in die Firmenarchive aus, das kann sich noch etwas hinziehen. Die heutige Fassade dürfte wohl kaum das Oiginal sein, es gibt auch keine KAP-Plakette am Bau.

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Kann das der gelistete KAP sein? Wie lässt sich das belegen? Gibt es Alternativen? Wo liegt der Nachlass von Heribert Multhaupt? (jedenfalls nicht im Adenauer-Archiv in Rhöndorf)

Hinweis: es gibt gegenüber an der Neuen Weyerstraße noch das Terrassenhaus von Erwin H. Zander, KAP 1971, das ist nicht gemeint.

Schöpferische Denkmalpflege? (KAP 1967)

Römermauer längs der Bäche“
Architekt: Prof. (Rudolf) Steinbach, Aachen, mit Stadt Köln
Bauherrin: Stadt Köln

Auch bei diesem Objekt sind wir uns relativ sicher, es identifiziert zu haben, haben aber keinen Beleg dafür. Es führt uns zu einer 1000mal gesehenen Stelle in Köln: wenn man von der Severinsbrücke Richtung Barbarossaplatz fährt, liegt es genau an der Einmündung zum Blaubach, überspannt vom Stelzenhaus der Stiftung Kaufmannshof Hanse.

 
Römische Stadtmauer entlang Blaubach, Köln
Römische Stadtmauer entlang Blaubach, Köln (Foto: Raymond, CC-BY-SA 4.0)

Die heutige Stützmauer, die anstelle der im Krieg zerstörten Wohnbebauung steht, nimmt den Verlauf der Römermauer auf. Der einzige uns bekannte „architektonische“ Teil der Römermauer.

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Wie lässt sich der KAP für dieses Objekt belegen?

Sackgasse in Flittard – KAP 1967

„Anwendungstechnisches Labor Bayer AG, Köln‐Flittard“
Architekten: Dipl.‐Ing. Heier und Monse BDA, Köln
Bauherr: Farbenfabriken Bayer AG, Leverkusen
 
Ein sehr kniffliges Objekt, auch wenn das Bayer-Gelände in Flittard um einiges kleiner als das in Leverkusen ist, so ist es doch unübersichtlich und vor allem nicht „einfach so“ abzulaufen. Eine Anfrage beim Unternehmensarchiv der Bayer AG erbrachte schließlich eine Liste von drei (Anwendungslabor-)Gebäuden, die in dem fraglichen Zeitraum in Flittard erbaut wurden. Nur eines davon ist wirklich markant und glücklicherweise von der Straße einsehbar:
 
Ein langgestrecktes Verwaltungsgebäude aus den 60ern
Bayer Gebäude B108, Textiltechnikum Köln-Flittard (Foto: Raymond, CC-BY-SA 4.0)

Die Dame vom Bayer-Archiv war sogar so nett, sich nach einer Plakette am Gebäude umzusehen, leider ohne Erfolg. Auch gibt es keine Unterlagen zum Architekturpreis. Sackgasse?

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Hat jemand eine Idee dazu? Es kann immer noch das falsche Gebäude sein, wenn es auch von der Qualität anderen KAP-Großgebäuden sehr ähnelt (Frauenklinik, Unigebäude) Eine Anfrage beim Nachfolgebüro von Heier & Monse hat bisher keine Ergebnisse gebracht.
 

Das „andere“ DKV-Gebäude (KAP 1967)

„Verwaltungsgebäude der DKV“
Architekten: Dr.‐Ing. Leonhard Schulze BDA, Köln‐Lindenthal, Dr.‐Ing. Wilhelm Hesse BDA, Köln Lindenthal
Bauherrin: Deutsche Krankenversicherungs‐AG Köln, Hohenstaufenring 62

Hier sind wir auch recht nah dran, dank einer Fußnote in Hiltrud Kiers gnadenloser Abrechnung mit der wunderbaren Vortrag zur Kölner Denkmalpflege auf der von ihr organisierten Tagung „Die Kunst, unsere Städte zu erhalten“ von 1975: Das Bürogebäude Hohenstaufenring 62 steht nämlich genau an der Stelle des abgerissenen Hohenstaufenbades. Kier schreibt eindeutig, dass das an der Stelle erbaute Verwaltungsgebäude den 1967 KAP erhalten habe.

Hohenstaufenring 62 heute:

weiß verkleidetes Bürogebäude
Geschäftshaus Hohenstaufenring 62, Köln (Foto: Raymond, CC-BY-SA 4.0)

Für mich sieht das Gebäude nun aber entweder neuen Datums oder stark verändert aus. Eine Anfrage beim Nachfolgebüro von Schulze & Hesse blieb bisher ohne Ergebnis.

Wer weiß etwas dazu?

Ausschlussprinzip in Heimersdorf (KAP 1967)

„Neue Stadt Köln‐Heimersdorf, 5er Gruppe, Bungalows“
Architekten: Bauherr und Fritz Lill BDA, Köln‐Longerich
Bauherrin: Aachener Gemeinn. Siedlung‐ und Wohnungsges. mbH (Köln, Gilbachstraße 23‐25)
 
Wirklich überrascht war ich ja von den Bungalows in Seeberg und Heimersdorf. Richtig schick. Aber welche wurden nun ausgezeichnet?
 
Die Stadtspuren Band 10.2 zu den Siedlungen nach 1938 beschreiben überblickshaft die Siedlungsbauten in Heimersdorf (ab S. 158), nennen auch Fritz Lill unter den (zahlreichen) Architekten, ordnet die Architekten allerdings nicht den Haustypen zu. Als Einfamilienhäuser gibt es neben Satteldachbauten nur „Teppichhäuser“, diese sind jedoch von der DEWOG erbaut, und „eingeschossige Winkelhäuser mit Flachdach“.
 
  1. Winkelbauten
  2. Flachdach
  3. Fünf Reihen à vier Häuser („Fünfer-Gruppe“)

Vor Ort haben wir mit einem architekturaffinen Anwohner gesprochen, der sich zu erinnern meinte, dass diese Gebäude tatsächlich von der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft erbaut worden sind. Aber schon alles sehr vage …

So schauen die aus:

Wikelbungalows
Winkelbungalows in Heimersdorf? (Foto: Elya, CC-BY-SA 4.0)

Eine entsprechende Anfrage bei der Wohnungsbaugesellschaft blieb bisher ohne Ergebnis.

Irgendeine Idee, wo man etwas dazu finden könnte? Kennt jemand Fritz Lill? (Lt. Wikipedia der Bruder von Hansjakob Lill)
 

Stadt Köln gruppiert Häuser (KAP 1967)

„Städtebauliche Gruppierung der Miethäuser, Köln‐Seeberg“
Adresse: Neusser Landstraße
Architekt: Stadt Köln ‐ Stadtplanungsamt
Bauherr: Stadt Köln

Das erschien bis zum Schluss völlig kryptisch. Es gab im selben Jahr einen KAP für die Häuser am Dahlienweg/nördlicher Chrysanthemenweg in Seeberg, die können es also nicht (?) sein. Wenn man sich hier (Google Maps) umschaut, gibt es nicht viele Möglichkeiten. Die Häuser südlich am Chrysanthemenweg sind eher unspektakulär. Bleiben die ikonischen weißen Häuser von O.M. Ungers nördlich am Astern-/Akelei-/Chrysanthemenweg … und bingo, in dem oben bereits erwähnten Stadtspurenband steht dazu tatsächlich auf S. 165 „Architekturpreis der Stadt Köln“. Aber warum diese kryptische Bezeichnung? Warum nicht Ungers als Preisträger? Oder hat Ungers doch den Preis bekommen?

Weiße Wohnhäuser
Siedlung Asternweg, Köln-Seeberg (Foto: Raymond, CC-BY-SA 4.0)

Das Ungers-Archiv wäre noch ein Ansatz, den ich noch nicht verfolgt habe.

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Any idea? Das Amt des Denkmalkonservators könnte noch etwas wissen, immerhin stehen die Bauten auch unter Denkmalschutz. Die Originaltexte zur Unterschutzstellung sind leider noch kein OpenData …

So ihr Lieben, jetzt seid ihr dran: wer weiß was, wer hat noch eine Idee? Gerne teilen an alle Kölner Architekturbegeisterten … entweder gerne in die Kommentare oder per Mail an kap@erinnerungshort.de

* zum Hintergrund: Es gibt eine Liste aus dem Umfeld des Vereins Kölner Architekturpreis e.V., die vor ein paar Jahren zum 50jährigen Jubiläum erstellt worden ist. Leider gab es vor allem in der Frühzeit keine durchgängige und gute Dokumentation, so dass einige Angaben ungenau oder unklar waren. Dies haben wir durch unsere Recherchen versucht zu lösen.

 

 

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