#GLAM – wo stehen wir?

Seit mindestens 2007 Jahren schon bin ich als Wikipedianer im Umfeld der GLAMs (Galleries, Libraries, Archives and Museums) in NRW und speziell in Köln aktiv.

Angefangen mit der Bilderspende vom Bundesarchiv. In den Folgejahren dann Vorträge über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen GLAMs und Wikipedia (inkl. Wikimedia Commons, Wikisource, Wikidata) oder der richtigen Anwendung von Creative Commons-Lizenzen beim Landschaftsverband Rheinland (LVR), Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Bundeskunsthalle Bonn, Stadt Köln, Deutscher Museumsbund u.v.m. Die Resonanz war eigentlich immer positiv.

1-2-3: Museen & Wikipedia

Bundeskunsthalle

1 Thema, 2 Vorträge, 3 Stunden: Auf Einladung des Landschaftsverbandes Rheinland und des Verbandes Rheinischer Museen e.V. durfte ich am 16. März 2015 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (kurz: Bundeskunsthalle) einen Vortrag zum Thema „Museen & Wikipedia“ halten. Aufhänger war die Outer Space-Schreibwerkstatt der Wikipedia 2014 in der Bundeskunsthalle.

Eine Lanze für den Medienbetrachter

Mschatta-Fassade (Pergamonmuseum)Seit einigen Wochen gibt es den neu entwickelten Medienbetrachter in der Wikipedia. Beim Klick auf ein Bild in einem Wikipedia-Artikel wird das Bild groß vor schwarzem Hintergrund dargestellt, unten hereinscrollend finden sich die wichtigsten Informationen.

Mit persönlich gefällt der Medienbetrachter, obwohl noch Luft nach oben im Design ist. Insbesondere bei vielen Bildern in einer Commons-Kategorie kann ich mir bequem die Fotos anschauen, ohne jedes mal eine neue Seite/einen neuen Tab zu öffnen.

Warum ich auf Creative Commons Version 4 umstelle

Creative Commons-Logo

Ende 2013 wurde die Version 4 der Creative Commons-Lizenzen veröffentlicht. John Weitzman, Projektleiter Recht für Creative Commons Deutschland, fasste die wesentlichen Änderungen in einem Blogbeitrag auf irights.info zusammen: Creative Commons in Version 4.0 verfügbar: Was sich ändert und was nicht.

Nachdem John letztes Wochenende das deutschsprachige Support-Team über CC4 informierte und auch sonst Rede und Antwort stand, habe ich mich entschieden, meine eigenen Fotos auf Wikimedia Commons künftig (auch) unter CC4, konkret CC-BY-SA-4.0, zu lizenzieren.

Entscheidende Argumente für mich sind:

4. Neue Heilungsfrist bei Lizenzverstößen

Bisher führte selbst ein versehentlicher Lizenzverstoß dazu, dass die jeweilige CC-Lizenz für den verstoßenden Nutzer entfiel. Nun wurde eine Klausel eingefügt, die es ähnlich auch in anderen Standardlizenzen gibt und die die Lizenz automatisch wieder aufleben lässt, wenn der Verstoß innerhalb einer Frist von 30 Tagen nach Bekanntwerden abgestellt wird.

und

6. Namensnennung auch auf verlinkter Seite möglich

Die laut jedem CC-Lizenztyp erforderliche Angabe, wer Urheber bzw. Rechteinhaber eines CC-lizenzierten Werkes ist (die Bedingung “BY”), wurde etwas vereinfacht. So kann ab 4.0 nun immer per Link auf eine weitere Seite verwiesen werden, die die vollständigen Rechteangaben enthält, wodurch in vielen Anwendungsfällen Platz gespart werden kann, ohne die Rechteinformationen verloren gehen zu lassen.

(Zitate aus dem verlinkten Blogbeitrag)

Punkt 4 bedeutet also, dass bei heilbaren Lizenzverstößen (also in der Regel Onlinenutzungen) das mehr als lästige Abmahnwesen eingeschränkt werden kann. Ich wünsche mir, dass CC4 als Standardlizenz für Wikimedia Commons gelten wird.

Und Punkt 6 erleichtert im Onlinebereich die lizenzkonforme Nachnutzung. Ein Link auf die Dateibeschreibungsseite bei Wikimedia Commons reicht nun aus.

Nun stand ich vor dem Problem, dass ich die bisher vergebenen Lizenzen nicht zurückziehen darf. Die Anzahl der Infokästchen auf einer Dateibeschreibungsseite wäre also um ein weiteres Kästchen gewachsen. Mir ist aber eine übersichtliche Darstellung wichtig (jaja ich weiß, es ist immer noch viel zu tun).

Die Lösung: Etwas Vorlagenmagie :-) Die „alten“ Lizenzen CC3 und GFDL, für die sich vermutlich nur 0,00001 % der Nachnutzer interessieren, sobald die CC4 vorhanden ist, habe ich in ein ausklappbares Element gepackt.

Sie bleiben also – fürs Auge unsichtbar – erhalten, sind somit für Nachnutzungstools/API noch auslesbar.

Als Beispiel für die Umsetzung muss eines meiner Lieblingsbilder herhalten:

Die Skyline von Köln an einem regnerischen Tag

Ich freue mich über Kritik und Hinweise, wie man es noch besser und übersichtlicher machen kann.

MediaWiki Architecture Summit

Auf Einladung der Wikimedia Foundation habe ich am 23./24. Januar 2014 an dem MediaWiki Architecture Summit in San Francisco teilgenommen. Ca. 60 MediaWiki-Entwickler (die Mehrzahl als Angestellte der WMF, sowie 6 von Wikia, 2 von Wikimedia Deutschland und 6 ehrenamtliche Entwickler; Teilnehmerliste) haben an den zwei Tagen intensiv über die grundlegende Weiterentwicklung von MediaWiki diskutiert. Es ging nicht um irgendwelche neuen Features, sondern um die Softwarebasis, die grundlegende Architektur.

Dazu muss man wissen, dass MediaWiki in den letzten 10 Jahren sehr … sagen wir … organisch gewachsen ist. Daraus resultieren heute diverse Schwierigkeiten.

Vielleicht bestes Beispiel ist der VisualEditor, der mit der nicht immer logischen Wikisyntax klarkommen muss. Jeder Bearbeitung muss, vor- wie rückwärts, dasselbe Ergebnis liefern. Ansonsten gibt es im harmlosesten Fall „schmutzige Diffs“ oder im schlimmsten Fall geschredderte Wikipedia-Artikel.
Durchaus selbstkritisch wurde auf dem Summit auch die frühe Freigabe des VisualEditors als Standardeditor gesehen.

Eine sehr spannende Session war für mich die Frage nach der Frontend-Performance. Also das Verhalten der Benutzeroberfläche. Wie verhindert man als Entwickler, dass es auf dem Bildschirm wild hüpft, weil Elemente irgendwo eingeblendet werden. Wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich die Lektüre der Mitschrift (Etherpad).

Ein anderes Beispiel ist die Schwierigkeit, Wikidata-Änderungen in die erweiterte Beobachtungsliste nahtlos einzubauen. Der entsprechende Programmcode des MediaWiki-Kerns ist dermaßen … nun, der Leser mag sich seinen Teil denken.

Nicht falsch verstehen: MediaWiki funktioniert. Mit MediaWiki wird die 5./6.-größte Webseite der Welt betrieben (auf Abrufzahlen bezogen) und viele (zehn)tausend Firmen, Institutionen und Privatpersonen nutzen MediaWiki erfolgreich für ihre eigene Wissensdatenbank.

Aber um MediaWiki fit für die Zukunft zu machen, müssen und werden Teile des Softwarekerns erneuert werden.

Mein Fazit: Der Architecture Summit war dringend nötig und kommt mindestens zwei Jahre zu spät. Wichtig war außerdem das persönliche Kennenlernen/Treffen zwischen den festangestellten Entwicklern und den freiwilligen Entwicklern.

Ich persönlich kümmere mich seit Jahren ehrenamtlich unter anderem um Fehlerkorrekturen (Bugfixes), den Bereich der Lokalisierung/Internationalisierung (l10n/i18n) in MediaWiki, kümmere mich um den (fast täglichen) Export neuer Übersetzungen für alle Sprachen aus dem translatewiki.net in das MediaWiki-Softwarerepositorium und gehe den Entwicklerkollegen auf die Nerven, wenn sie Softwareanweisungen für eine korrekte Pluralbildung und geschlechtersensible Grammatik vergessen haben.

Disclaimer: Zudem lebe ich als freiberuflicher MediaWiki-Berater von der Dienstleistung, für Kunden MediaWiki zu installieren, individuelle Erweiterungen zu programmieren und den Einsatz von MediaWiki vorzubereiten und zu schulen.