Wenn der Skeptikerin das Grinsen nicht aus dem Gesicht gehen will …

Es gibt ja diesen Spruch: setz eine Handvoll Wikipedianer zusammen, gib ihnen WLAN und alle sind glücklich. Das Glücklichsein leuchtete vielen von uns gestern den ganzen Tag über aus den Augen, und das hatte nur teilweise mit dem WLAN zu tun, denn wir hatten was zu feiern: Unser Lokal K, der erste lokale, ehrenamtlich von der Community verwaltete Stützpunkt nördlich der Alpen (SCNR) wurde mit einer kleinen Party eröffnet.

Outer-Space und Innenansichten

Bundeskunsthalle

Vergangenes Wochenende fand die Wikipedia-Schreibwerkstatt Outer Space in der Bundeskunsthalle statt. Wie es zu dieser von mir mitinitiierten Veranstaltung kam, ist im Blog der Bundeskunsthalle nachzulesen sowie in einem früheren Blogbeitrag: “Wie erhalte ich die Deutungshoheit in den sozialen Medien (zurück)?”

Als Wenig-Schreiber aber Viel-Fotografierer habe ich die Gelegenheit genutzt, bei wunderschönem Maiwetter bessere Fotos von dem Gebäude zu machen. Die ersten Bilder sind schon bearbeitet und nach Wikimedia Commons hochgeladen und in der Dokumentation eingebaut. Weitere werden folgen, bin aber diese und nächste Woche sehr eingespannt und viel unterwegs. Als krönenden Abschluss gab es am Sonntagnachmittag noch eine Architektur-/Backstage-Führung von einem ehemaligen Mitarbeiter, der uns mit höchster Begeisterung die hohe architektonische und handwerkliche Qualität des Gebäudes von Gustav Peichl zeigte.

Bereits eine Woche vorher hatte ich vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundeskunsthalle sowie befreundeter Institute einen gut besuchten Vortrag über die Anwendung freier Lizenzen gehalten. Natürlich auch unter dem Aspekt, dass es doch klasse wäre, wenn auch die Institute unter freier Lizenz veröffentlichen würden :-) Das Vortrags-PDF findet sich auf Wikimedia Commons.

Später im Jahr folgen noch Fotoaktionen zur Outer-Space-Ausstellung.

Fazit: Ein toller Kontakt in die Kultur und viel Freude bei der Arbeit mit hoch motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Freies Wissen schätzen und unterstützen.

Mein Dank geht auch an Barbara und Lilli von Wikimedia Deutschland, die die Schreibwerkstatt organisatorisch 1a unterstützt haben.

Warum ich auf Creative Commons Version 4 umstelle

Creative Commons-Logo

Ende 2013 wurde die Version 4 der Creative Commons-Lizenzen veröffentlicht. John Weitzman, Projektleiter Recht für Creative Commons Deutschland, fasste die wesentlichen Änderungen in einem Blogbeitrag auf irights.info zusammen: Creative Commons in Version 4.0 verfügbar: Was sich ändert und was nicht.

Nachdem John letztes Wochenende das deutschsprachige Support-Team über CC4 informierte und auch sonst Rede und Antwort stand, habe ich mich entschieden, meine eigenen Fotos auf Wikimedia Commons künftig (auch) unter CC4, konkret CC-BY-SA-4.0, zu lizenzieren.

Entscheidende Argumente für mich sind:

4. Neue Heilungsfrist bei Lizenzverstößen

Bisher führte selbst ein versehentlicher Lizenzverstoß dazu, dass die jeweilige CC-Lizenz für den verstoßenden Nutzer entfiel. Nun wurde eine Klausel eingefügt, die es ähnlich auch in anderen Standardlizenzen gibt und die die Lizenz automatisch wieder aufleben lässt, wenn der Verstoß innerhalb einer Frist von 30 Tagen nach Bekanntwerden abgestellt wird.

und

6. Namensnennung auch auf verlinkter Seite möglich

Die laut jedem CC-Lizenztyp erforderliche Angabe, wer Urheber bzw. Rechteinhaber eines CC-lizenzierten Werkes ist (die Bedingung “BY”), wurde etwas vereinfacht. So kann ab 4.0 nun immer per Link auf eine weitere Seite verwiesen werden, die die vollständigen Rechteangaben enthält, wodurch in vielen Anwendungsfällen Platz gespart werden kann, ohne die Rechteinformationen verloren gehen zu lassen.

(Zitate aus dem verlinkten Blogbeitrag)

Punkt 4 bedeutet also, dass bei heilbaren Lizenzverstößen (also in der Regel Onlinenutzungen) das mehr als lästige Abmahnwesen eingeschränkt werden kann. Ich wünsche mir, dass CC4 als Standardlizenz für Wikimedia Commons gelten wird.

Und Punkt 6 erleichtert im Onlinebereich die lizenzkonforme Nachnutzung. Ein Link auf die Dateibeschreibungsseite bei Wikimedia Commons reicht nun aus.

Nun stand ich vor dem Problem, dass ich die bisher vergebenen Lizenzen nicht zurückziehen darf. Die Anzahl der Infokästchen auf einer Dateibeschreibungsseite wäre also um ein weiteres Kästchen gewachsen. Mir ist aber eine übersichtliche Darstellung wichtig (jaja ich weiß, es ist immer noch viel zu tun).

Die Lösung: Etwas Vorlagenmagie :-) Die „alten“ Lizenzen CC3 und GFDL, für die sich vermutlich nur 0,00001 % der Nachnutzer interessieren, sobald die CC4 vorhanden ist, habe ich in ein ausklappbares Element gepackt.

Sie bleiben also – fürs Auge unsichtbar – erhalten, sind somit für Nachnutzungstools/API noch auslesbar.

Als Beispiel für die Umsetzung muss eines meiner Lieblingsbilder herhalten:

Die Skyline von Köln an einem regnerischen Tag

Ich freue mich über Kritik und Hinweise, wie man es noch besser und übersichtlicher machen kann.

MediaWiki Architecture Summit

Auf Einladung der Wikimedia Foundation habe ich am 23./24. Januar 2014 an dem MediaWiki Architecture Summit in San Francisco teilgenommen. Ca. 60 MediaWiki-Entwickler (die Mehrzahl als Angestellte der WMF, sowie 6 von Wikia, 2 von Wikimedia Deutschland und 6 ehrenamtliche Entwickler; Teilnehmerliste) haben an den zwei Tagen intensiv über die grundlegende Weiterentwicklung von MediaWiki diskutiert. Es ging nicht um irgendwelche neuen Features, sondern um die Softwarebasis, die grundlegende Architektur.

Dazu muss man wissen, dass MediaWiki in den letzten 10 Jahren sehr … sagen wir … organisch gewachsen ist. Daraus resultieren heute diverse Schwierigkeiten.

Vielleicht bestes Beispiel ist der VisualEditor, der mit der nicht immer logischen Wikisyntax klarkommen muss. Jeder Bearbeitung muss, vor- wie rückwärts, dasselbe Ergebnis liefern. Ansonsten gibt es im harmlosesten Fall „schmutzige Diffs“ oder im schlimmsten Fall geschredderte Wikipedia-Artikel.
Durchaus selbstkritisch wurde auf dem Summit auch die frühe Freigabe des VisualEditors als Standardeditor gesehen.

Eine sehr spannende Session war für mich die Frage nach der Frontend-Performance. Also das Verhalten der Benutzeroberfläche. Wie verhindert man als Entwickler, dass es auf dem Bildschirm wild hüpft, weil Elemente irgendwo eingeblendet werden. Wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich die Lektüre der Mitschrift (Etherpad).

Ein anderes Beispiel ist die Schwierigkeit, Wikidata-Änderungen in die erweiterte Beobachtungsliste nahtlos einzubauen. Der entsprechende Programmcode des MediaWiki-Kerns ist dermaßen … nun, der Leser mag sich seinen Teil denken.

Nicht falsch verstehen: MediaWiki funktioniert. Mit MediaWiki wird die 5./6.-größte Webseite der Welt betrieben (auf Abrufzahlen bezogen) und viele (zehn)tausend Firmen, Institutionen und Privatpersonen nutzen MediaWiki erfolgreich für ihre eigene Wissensdatenbank.

Aber um MediaWiki fit für die Zukunft zu machen, müssen und werden Teile des Softwarekerns erneuert werden.

Mein Fazit: Der Architecture Summit war dringend nötig und kommt mindestens zwei Jahre zu spät. Wichtig war außerdem das persönliche Kennenlernen/Treffen zwischen den festangestellten Entwicklern und den freiwilligen Entwicklern.

Ich persönlich kümmere mich seit Jahren ehrenamtlich unter anderem um Fehlerkorrekturen (Bugfixes), den Bereich der Lokalisierung/Internationalisierung (l10n/i18n) in MediaWiki, kümmere mich um den (fast täglichen) Export neuer Übersetzungen für alle Sprachen aus dem translatewiki.net in das MediaWiki-Softwarerepositorium und gehe den Entwicklerkollegen auf die Nerven, wenn sie Softwareanweisungen für eine korrekte Pluralbildung und geschlechtersensible Grammatik vergessen haben.

Disclaimer: Zudem lebe ich als freiberuflicher MediaWiki-Berater von der Dienstleistung, für Kunden MediaWiki zu installieren, individuelle Erweiterungen zu programmieren und den Einsatz von MediaWiki vorzubereiten und zu schulen.